Film von der zerstörten Stadt München nach dem 2. Weltkrieg
50 Gäste sahen den beeindruckenden Dokumentarfilm „Ruinenschleicher und Schachterleis – Das zerbombte München nach 1945“. Der Film, ein Portrait der Nachkriegsgeneration, beinhaltet Interview-Sequenzen mit Zeitzeugen, die das Kriegsende und die unmittelbare Nachkriegszeit in München als Kinder erlebten, sowie zum Teil unveröffentlichten Fotos und Original-Filmausschnitte von 1945 bis 1958.
Der Film, der bayerweit bereits über 230 Mal präsentiert und von über 20.000 Personen gesehen wurde, verzichtet weitgehend auf geschichtliche Daten und Einordnungen – er lässt seine Geschichten für sich sprechen. Der Sprecher der einstündigen Dokumentation ist Udo Wachtveitl, unter anderem als Münchner „Tatort“-Kommissar Franz Leitmayr bekannt.
Die „Filmemacher“ Michael von Ferrari, Angelika Wimbauer und Lutz Eigel haben von 2021 bis 2023 einen außergewöhnlichen Aufklärungsfilm verwirklicht, der die Kindheitserinnerungen an die Nachkriegsjahre in München für 60 Minuten aufleben lässt. Das gesamte Filmmaterial umfasst sogar 60 Stunden.
Vor 80 Jahren lag die Stadt in Trümmern; über die Hälfte der Gebäude waren zerstört, ebenso Straßen, Bahngleise und Fabriken – im Zentrum türmten sich meterhohe Schuttberge. Es herrschte eine bittere Wohnungsnot und Hunger war ein täglicher Begleiter. Die Lebensmittel waren knapp und der Schwarzhandel blühte.
In dieses Stimmungsbild projiziert werden Erinnerungen an US-Soldaten, die Cola und Kaugummis spendieren, oder an die Sprachlosigkeit ihrer Eltern über deren Nazi-Vergangenheit. Diese Rückschau lässt ein lebendiges Bild der damaligen Zeit entstehen.
Wer könnte diese Jahre besser und glaubwürdiger vermitteln, als die Personen, die die Hungerjahre der Nachkriegszeit miterlebt haben – als die Zeugen dieser Zeit? 26 Zeitzeugen berichten von ihren Kindheitserinnerungen an die Nachkriegsjahre in München – wie es war, als Kind nach dem Krieg in München aufzuwachsen: vom Überleben, von Entbehrungen sowie von der strengen Erziehung daheim und der großen Freiheit draußen.
Der Film geht den Fragen nach, was prägte den Alltag bzw. mit welchen Gefühlen, Hoffnungen und Träumen wurden das aufkeimende Wirtschaftswunder und die Schatten der Vergangenheit erlebt. Unter den vor 80 Jahren vorherrschenden desaströsen Verhältnissen versucht der Film eine Antwort auf folgende Fragen zu geben:
- Was prägte den Alltag der Kinder und jungen Erwachsenen?
- Welchen Einfluss hatten die Präsenz der amerikanischen Soldaten und ihre Musik auf junge Menschen in der Stadt?
- Wonach sehnte sich die Jugend in dieser Zeit am meisten?
- Wie veränderte sich die Münchner Stadtgesellschaft in dieser dynamischen Zeit?
- Und welchen Anteil hatten die politischen Vertreter an diesem Aufschwung und dieser Aufbruchsstimmung?
- Wie wurde die Kriegsvergangenheit verarbeitet und wie wurde das Verständnis der noch jungen Demokratie geprägt?
- Gab es noch einen latent vorhandenen Rassismus?
- Wie gelang die Integration von Flüchtlingen?
Weiter gab der Film eine Erklärung zum Filmtitel. Der Film setzt auf die Worte der Münchner Kindl. Da geht es etwa um Fahrten mit dem Ruinenschleicher, wie die Tram 37 seinerzeit genannt wurde, da sie auf ihrem Weg vom Nordbad zum Ostbahnhof zahllose Kriegsruinen passiert. Der andere Part des Filmtitels, das Schachterleis, geht auf die künstliche Eisbahn in München zurück, die sich im Lehel befand.
Nach einer Kaffeepause wurde noch der 6-minütige Kurzfilm „Wies´n Gschichtn“ vom Münchner Oktoberfest von früher mit sechs Zeitzeugen vorgeführt.
Zu Gast war auch Regisseur und Mitproduzent Michael von Ferrari, der eine kurze Einführung hielt, eine Aufklärung zum Filmtitel gab und nach der Filmvorführung die Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion und zum Gedankenaustausch bot – dieses Angebot wurde umfangreich genutzt.
Bei der abschließenden lebhaften Diskussionsrunde regte Michael von Ferrari an, dass auch ein Film von und über Eitensheim zum Thema „Zweiter Weltkrieg: Kriegsjahre und Nachkriegszeit“ mit Interview-Sequenzen von Zeitzeugen gedreht werden könne, um diese schicksalhaften Ereignisse für die Nachwelt zu erhalten; insbesondere da nur noch wenige Zeitzeugen von den Geschehnissen – 80 Jahre nach Kriegsende – berichten können. Deshalb wäre Eile geboten.
Der Heimatverein hat diesen Vorschlag aufgegriffen und befindet sich bereits in den ersten Vorabstimmungen für den künftigen Film:
Wie erlebten die Eitensheimer die Kriegsjahre und Nachkriegsjahre vor 80 Jahren“
